Quartalsbericht – SBH Basel

Siril Wallimann/ Juli 8, 2017/ Allgemein/ 3Kommentare

Nun ist es soweit – mein erstes Quartal bei der Sehbehindertenhilfe in Basel, kurz SBH, ist zu Ende. Vor drei Monaten begann die Umschulung auf diverse blindentechnische Hilfsmittel.

Während dieser Zeit teilte ich mit meinen Mitmenschen meine Erfahrungen und Emotionen. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich dir aufzeigen, wie mein Start in Basel geglückt ist und welche Abschnitte ich durchlief.

Anmeldung, Einstufung und Üben des Schulweges
Frau Jauch (Sozialarbeiterin SBH) und Herr Bieri (Berufsberater IV) begleiteten und organisierten meinen Einstieg an der SBH in Basel. Am Einstufungstag im Januar 2017 wurden meine Schulkenntnisse getestet und in den folgenden Tagen ausgewertet. Sie schätzten mich als gute Schülerin mit einer schnellen Auffassungsgabe ein.

Zudem erhielt ich bereits eine Führung durch mein neues zu Hause. Am Ende des Tages führte ich mit meiner Ausbildungskoordinatorin, Frau Pannier, ein gemeinsames Gespräch über die bevorstehende Zeit.

Mein erster Eindruck von der Schule war sehr positiv. Trotzdem hatte ich Respekt und Angst vor dem neuen Lebensabschnitt. Ich machte mir Gedanken über alle möglichen Szenarien, welche in Basel eintreffen könnten…

  • Was ist, wenn ich mich in der Stadt verirre?
  • Höre ich das Tram und kann ich mich in dem Transportmittel zurecht finden?
  • Hat es in der Schule auch Menschen in meinem Alter?
  • Werde ich mich in Basel ohne mein gewohntes Umfeld wohl fühlen können?

Die Zeit verging wie im Fluge – Ehe ich mich umschauen konnte war es bereits März. Zusammen mit Herr Studer (Orientierungs- und Mobilitätstrainer SBH) lernte ich meinen halbstündigen Schulweg. Ebenfalls starteten wir bereits mit der Orientierung in den Gebäuden, damit ich mich darin zurechtfinden konnte. Die wichtigsten Informationen sprachen wir auf ein Sprachnotizgerät, welches ich seither immer bei mir trage. So ist es mir jederzeit möglich das Wichtigste nochmals in Gedanken durchzugehen.

Leider ist Basel keine Kleinstadt – häufig höre ich aus unterschiedlichen Richtungen Verkehrsgeräusche. Sei es ein Hupen der Autofahrer aus hundert Meter Entfernung, ein Motorradfahrer der an mir vorbeirauscht oder das Quietschen der Autobremsen vor der Kreuzung. Mein Tram erkenne ich daran, dass es von der linken Seite einfährt. Häufig öffnet der Tramchauffeur die Eingangstüre, damit der Knopf für die Türöffnung nicht lange gesucht werden muss. Jedes Tram ist anders aufgebaut. es kann sein, dass es nach dem Eingang Treppen hat oder der Boden eben ist. Dank meinem Langstock kann ich zum einen das Tram abtasten, zum anderen ermöglicht er mir das Finden eines freien Sitzplatzes.

Zimmereinrichtung im Blindenheim
Vor dem Schulstart Ende April 2017 richtete ich mit meiner Familie meine zukünftige 2.5 Zimmerwohnung im Blindenheim ein. Ich nahm Praktisch meine ganzen Utensilien von zu Hause mit, damit ich mich schnell wohlfühlen konnte und das Gefühl von Heimat verspüre. Trotzdem ist das Stadtleben für mich eine komplett neue Welt. Mit der Verabschiedung von meiner Familie fiel auch die Tür ins Schloss und ich war für mich alleine – die Stille brach über mich ein. Zuvor hatte ich immer jemanden an meiner Seite. sei es die Nähe meiner Familie, die Umarmung meines Freundes oder einfach nur das Schnurren meiner Katze. Ich brauchte einige Zeit um meine Gedanken positiv zu steuern und den Start in Basel so zu akzeptieren.

Der erste Schultag
Gemeinsam mit allen SBH Schüler nahm ich am ersten Schultag das Frühstück im Blindenheim ein. Schnell kamen wir ins Gespräch. Meine Nervosität aus dem Vorabend verfloss innert Minuten. 6 der zwanzig Schüler starteten mit mir gemeinsam den ersten Schultag in Basel. Nach dem Frühstück blieb uns fast keine Zeit mehr. sofort machten wir uns auf den Weg zur Schule, wo wir bereits von Frau Jauch erwartet wurden.

In der Schule stellten sich alle meine zukünftigen Lehrer und Mitschüler im Konferenzraum im Rahmen einer Vorstellungsrunde vor. Anschliessend teilten wir uns in verschiedene Gruppen auf und erhielten ein Projekt, mit welchem wir uns in der ersten Woche befassen durften. Der Auftrag meiner Gruppe lautete, sich mit einer blinden Juristin auseinanderzusetzen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, kannst du meinen Blogbeitrag über die blinde Juristin lesen.

Normaler Schulalltag
In der zweiten Woche starteten wir mit dem normalen Unterricht. Uns wurden die Stundenpläne analog oder digital, sowie das Login für die Computer ausgehändigt. Da wir bei sämtlichen Fächern in anderen Räumen mit unterschiedlichen Computern arbeiten, ist das Login für uns so wichtig wie der Sperr-Code auf dem Smartphone. Wöchentlich besuche ich Fächer wie Deutsch, Englisch, Informatik oder aber auch Methodencoaching. Ergänzt wird der Unterricht mit Schulungen über die Arbeitstechnik, Jaws oder aber auch die Punktschrift. Das Selbststudium über das Wochenende und Abends unter der Woche ist für mich unerlässlich.

Die Lektionen werden jeweils von einer Lehrperson geführt, während dem die Schüler parallel an Ihren Computern arbeiten. Die Unterrichtsgestaltung finde ich persönlich sehr gut, da ich auch individuell gefördert werde. Wöchentlich treffe ich mich mit meiner Ausbildungskoordinatorin für einen individuellen Austausch zur beruflichen Abklärung. Dabei analysieren wir die Stärken und Schwächen, sowie auch die Eigenschaften zu meiner Person. Mein Wunsch ist es, nach meinem Aufenthalt an der Blindenschule in Basel, ein Psychologie Studium zu starten.

Wechsel des Schulgebäudes
Wegen Renovationsarbeiten wechselt die SBH im 3. Quartal dieses Jahres ihren Standort. Aus diesem Grund absolvierte ich in meiner letzten Woche vor den Sommerferien erneut ein Orientierungs- und Mobilitätstraining, damit ich den herausfordernden und schwierigen Schulweg alleine gehen kann. Durch die Verlegung des Standorts, sind wir zwar näher am Bahnhof in Basel, jedoch führt der Weg über mehrere Perrons und Gleise, was zu zusätzlichen Orientierungsschwierigkeiten führen kann. Das Abenteuer geht bald weiter…

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3 Kommentare

  1. Lb. Siril,habe soeben Dein neuer Lebensabschnitt von Basel gelesen.Nun kann ich mir gut vorstellen was das für Herausforderungen für Dich waren.lch finde es super wie Du das meisterst, mach weiter so und gib nicht auf. Toi, toi.
    Nochmals herzlichen Dank für Deinen herzlichen Empfang.
    Alles, alles Gute bis zum nächsten Wiedersehen.
    Es grüsst Dich
    Hedy Andrich

    1. Hallo Liebe Hedy,

      vielen Dank für deine nette Nachricht. Es freut mich sehr, dass du meinen Quartalsbericht gelesen hast!
      Für deine Untersützung und deinen Besuch bedanke ich mich.

      Ganz liebe Grüsse und ein schönes Wochenende,
      Siril

  2. Pingback: Abschlussbericht SIBU - Siril Wallimann

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